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Stiinas Weihnachtsgeschichte

* Im Jahr 2002 ereignete sich im Dezember diese wahre Geschichte.
Das ist übrigens Engelchen. Sie ist mir eine liebe Freundin seit mehr als 15 Jahren. Damals stritten und zankten meine Töchter so viel, dass mir das Herz in der Vorweihnachtszeit richtig schwer wurde. Also machte ich mich auf in die Stadt. Ich suchte irgend ein besonders liebes Püppchen, das uns oder besser gesagt mir in der Adventszeit zur Seite stehen sollte. Nach vielen Stunden und unzähligen Geschäften fand ich endlich Engelchen. Zwischen Adventskränzen und Weihnachtssternen sitzend in einem Blumengeschäft. Ob es nun Deko war oder zum Verkauf stand, ich wusste es nicht, war aber fest entschlossen, Engelchen als meine Verbündete mit nach Hause zu nehmen.
Zu Hause angekommen erzählte ich meinen Mädchen:" Stellt euch mal vor. Ich war auf dem Weihnachtsmarkt. Plötzlich hörte ich ein leises Wimmern. Ich sah mich um und suchte. Es müsste ein Kind sein, ein kleines, so zart war das kleine, traurige Stimmchen. In dem Gewimmel fand ich erst einmal nichts. Erst als ich mich bückte, um dem Geräusch näher zu kommen, entdeckte ich das kleine, weinende Engelchen." Meine Töchter sahen voller Mitleid auf das Engelchen. Ich fuhr fort:" Es erzählte mir, es sei mit dem Christkind und all den anderen Engeln wie in jedem Jahr auf die Erde gekommen, um die geheimen Wünsche der Menschen zu finden.
 Damit ein jeder zu Weihnachten bekäme, was er sich am meisten wünschte. Engelchen flog gerade einem Mädchen nach, das ein niedliches, braun-weiß-geschecktes Hundekind streichelte. Engelchen strahlte. Am liebsten hätte es selbst den kleinen Kerl gestreichelt. Und weil es sich von dem niedlichen Tierchen gar nicht losreißen konnte, flog es ihm nach.
Plötzlich war es inmitten unzähliger Beine. Es sah weder den kleinen Hund, noch, und das war viel schlimmer, all die anderen Engel, geschweige denn das Christkind". Inzwischen hatten sich meine Mädchen ganz nah aneinander gekuschelt und streichelten vorsichtig über das kleine Engelchen. Ich kürzte ab:" Naja, jedenfalls erzählte es mir, dass es den Abflug in den Himmel verpasst hätte und nun nicht wüsste, wo es hin solle bis Weihnachten, wenn das Christkind wieder auf die Erde käme. Also hob ich es auf und steckte es in meine warme Manteltasche."

 

Gleich am Abend brach Engelchen Streit vom Zaun. Nein, das war natürlich nicht Engelchen persönlich, sondern vielmehr meine kleinen Damen, die sich nun darüber stritten, beim wem nun Engelchen in dieser ersten Nacht auf der Erde schlafen sollte. Doch die Zankerei endete plötzlich, als ein leises Klagen zu hören war. Ganz sanft, ganz leise und doch unendlich traurig. Die Mädchen schauten zu Engelchen und ich dolmetschte: „Wisst ihr, wenn ihr euch streitet, bekommt Engelchen Angst. Nur die liebsten Engel dürfen im Himmel am Heiligen Abend dem Christkind helfen. Und die sind nun mal alle herzallerliebst und überhaupt nicht streitsüchtig.“ Meine Töchter sahen sich schuldbewusst an und als eine von ihnen Engelchen zum Trost in den Arm nahm, war den beiden anderen sofort klar, dass Engelchen heute Nacht bei ihrer Schwester schlafen sollte. Donnerwetter, damit hätte ich wahrhaftig nicht gerechnet. Selig krabbelten alle drei in ihre Betten, jedoch nicht, ohne Engelchen einen Gute-Nacht-Kuss zu geben. Nachdem ich dann die Runde gemacht hatte und jedem meiner Wunderkinder einen Kuss zur Guten Nacht gegeben hatte, ging ich in den Flur. Da fiel mir etwas ein – ich drehte mich um: „Oh weh, jetzt hätte ich`s fast vergessen. Ich habe Engelchen versprochen, dass wir uns jeden Abend mit ihm ans Fenster stellen. So kann es dem Christkindchen erzählen, dass es ihm gut geht. Es macht sich doch bestimmt schon Sorgen wo sein Engelchen geblieben ist.“ Ich löschte das Licht, damit wir besser in den Sternenhimmel gucken konnten. Die Mädchen stiegen leise, beinahe andächtig aus dem Bett und klettert mit Engelchen auf die Fensterbank. Dort standen wir. Und wer weiß, was Engelchen dem Christkind berichtet hat. Hoffentlich nicht von einer Stiina, der jedes Mittel recht war, endlich herrlich, harmonischen Weihnachtsfrieden in ihr Haus zu holen.

 

Das unvorstellbare und von Herzen Erhoffte geschah: Wir hatten eine wunderbar friedliche Weihnachtszeit. Wir buken – Engelsplätzchen, malten – Engelchen, bastelten – Engel, was sonst. Wir schmückten Küche und Haus und freuten uns gemeinsam auf Weihnachten. Morgens saßen wir bei Kerzenschein beim Frühstück und sangen andächtig die passende Strophe vom Adventslied. Allabendlich standen wir mit Engelchen am Fenster und berichteten dem Christkind, wie schön es doch auf der Erde war und was Engelchen alles erlebt hatte. Am Heiligen Abend spielten wir bis spät in die Nacht hinein mit der kleinen Puppenstube, die meine große Tochter und ich heimlich unter der Treppe nach oben aufgebaut hatten. Wir hatten aus einer Holzkiste einen Ofen gezaubert und an eine andere Füße geschraubt. Liebevoll bemalt wurde daraus ein Puppenbett. Ich brachte beseelt meine Mädchen ins Bett. „Mama, wir haben Engelchen vergessen!“ Meine jüngste Tochter sah mit mit schreckgeweiteten Augen an. Ich hätte mich ohrfeigen können. Wie konnte ich das nur vergessen. Die Geschichte war ja gewesen, dass das Christkind Engelchen wieder mit in den Himmel nehmen würde, wenn es Weihnachten noch einmal auf die Erde käme. Innerlich fluchend nahm ich mein kleines, inzwischen weinendes Mädchen in den Arm. Auch Engelchen in seiner Hand blickte mir traurig entgegen. Neugierige Blicke ruhten auf mir. Ich zermarterte mir den Kopf während ich alle drei samt Engelchen an mich zog und murmelte: „Oh weh, oh weh. Entschuldige bitte, Engelchen.“ Und dann kam mir endlich die rettende Idee. „Ich hab´s: Die Heiligen Drei Könige können Engelchen mitnehmen, das machen sie bestimmt.“ Und ich erklärte, dass sie sich ja wie in jedem Jahr auf den Weg zum Christkind machen würden. Und dabei könnten sie ja Engelchen bei uns abholen, ein kleiner Umweg nur auf dem Weg zum Stern.
Seither genießt Engelchen alljährlich verlängerten Erdurlaub bei uns und zieht die herrlich, harmonische Weihnachtszeit einfach ein bisschen in die Länge 😊